Glück wächst im Kopf …. und wir können mehr dazu beitragen, als wir oft denken.

Engagement & Wissenswertes
Judith Guserl, Kopfgarten, Glück lernen
Potraitfoto Judith Guserl
fotocredit: www.kopfgarten.at

Was wäre, wenn unser Geist ein Garten wäre? Ein Ort, an dem Gedanken wie Samen wachsen. Manche wild und unkontrolliert, andere bewusst gepflegt. Genau dieses Bild steht im Zentrum des Projekts „Kopfgarten“. Es lädt dazu ein, den eigenen inneren Raum mit mehr Zuversicht, mehr Selbstvertrauen und mehr Lebensfreude achtsam zu gestalten und bewusst zu pflegen.

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Im Gespräch mit #schongenial erklärt Judith Guserl, warum Glück keine Glückssache ist, sondern eine Fähigkeit, die wir entwickeln können. Sie spricht darüber, wie wir unseren „Kopfgarten“ kultivieren, warum mentale Stärke gerade für junge Menschen so entscheidend ist und wie kleine Impulse im Alltag eine große Wirkung entfalten können.

#schongenial: Du vertrittst die Haltung, dass Glück lernbar ist. Wann hast du persönlich zum ersten Mal gespürt: Das stimmt wirklich und wir können unser Glück aktiv gestalten?

Judith Guserl: Das war kein einzelner Moment, sondern viele kleine Erfahrungen, besonders in der Arbeit mit Kindern. Eine Situation hat mich jedoch sehr geprägt: Ein Junge saß im Unterricht, sein Vater war am Tag davor verstorben. Er war ganz still, in sich gekehrt, und im Raum stand dieser unausgesprochene Satz: „Ich kann nie wieder glücklich sein.“

Diese Stunden haben mir sehr klar gezeigt: Wir können nicht verändern, was passiert. Aber wir können lernen, wie wir damit umgehen. Als wir begonnen haben, nicht nur den Verlust zu sehen, sondern auch das, was ihn trägt – Freundschaften, kleine Stärken, Momente von Verbindung – hat sich etwas verändert.

Glück bedeutet nicht, dass alles leicht ist. Sondern dass wir etwas in uns stärken können, das uns auch durch schwierige Zeiten trägt. Genau da habe ich verstanden, wie sehr unser Blick unsere Wirklichkeit mitgestaltet.

#schongenial: Der Name „Kopfgarten“ klingt poetisch. Was bedeutet es konkret, den eigenen Kopfgarten zu pflegen?

Judith Guserl: Für mich ist es ein sehr einfaches Bild: Unser Geist ist wie ein Garten. Alles, was wir denken, fühlen und erleben, sind Samen. Manche wie Sorgen oder Zweifel wachsen ganz von selbst, andere wie Zuversicht, Vertrauen oder Verbundenheit brauchen Pflege.

Den eigenen Kopfgarten zu pflegen bedeutet, sich bewusst zu entscheiden, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Welche Gedanken wir nähren. Welche Geschichten wir über uns selbst erzählen. Es geht nicht darum, schwierige Gefühle zu verdrängen. Sondern auch dem Raum zu geben, was uns stärkt.

#schongenial: Ihr arbeitet intensiv mit Kindern und Jugendlichen. Welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen heute besonders?

Judith Guserl: Kinder wachsen heute in einer Welt voller Möglichkeiten, aber auch voller Überforderung auf. Deshalb brauchen sie neben Wissen vor allem innere Fähigkeiten: ihre Gefühle zu verstehen, Selbstwirksamkeit zu erleben, mit Stress umzugehen und sich in einer digitalen Welt gut zu regulieren.

Ganz zentral sind auch stabile Beziehungen. Ein Kind, das erlebt: „Ich werde gesehen. Ich darf Fehler machen und gehöre trotzdem dazu“, entwickelt eine innere Stärke, die weit über Schulnoten hinausgeht.

#schongenial: Gibt es eine einfache Übung, die sofort mehr Leichtigkeit in den Alltag bringen kann?

Judith Guserl: Ja, und sie ist erstaunlich simpel: der positive Tagesrückblick. Am Ende des Tages frage ich mich: Was war heute schön? Wofür bin ich dankbar? Es geht dabei nicht um große Ereignisse, sondern um die kleinen Momente. Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, Probleme zu sehen. Wenn wir bewusst das Gute wahrnehmen, verändert sich dieser Fokus Schritt für Schritt.

Auch hilfreich ist ein einfacher Satz in schwierigen Momenten: „Ich werde damit umgehen lernen.“ Er verändert nicht die Situation, aber unsere Haltung. Und genau das macht oft den Unterschied.

#schongenial: Viele glauben, dass Erfolg glücklich macht. Du sagst: Glück ist die Grundlage für Erfolg. Warum?

Judith Guserl:
Weil unser Gehirn anders funktioniert, wenn wir uns sicher und zugehörig fühlen. Dann sind wir kreativer, mutiger und ausdauernder. 

Glück ist keine Belohnung am Ende. Es ist die Grundlage dafür, dass Entwicklung überhaupt möglich wird. Wenn Menschen erleben, dass sie gesehen werden und Fehler erlaubt sind, entsteht Motivation von innen heraus.

#schongenial: Wie setzt ihr das konkret in Schulen um und welche Wirkung hat eure Arbeit?

Judith Guserl: Wir arbeiten direkt mit Klassen, beziehen Lehrpersonen und oft auch Eltern ein. Es geht nicht um einmalige Workshops, sondern um Impulse, die im Alltag weiterwirken. Kurzfristig sehen wir oft mehr Ruhe, ein wertschätzenderes Miteinander und Kinder, die sich gesehen fühlen. Viele probieren die Übungen direkt aus und erleben, dass sie wirken.

Langfristig entsteht etwas viel Tieferes: das Gefühl, das eigene Wohlbefinden aktiv mitgestalten zu können. Kinder und Jugendliche verstehen, dass ihr Erleben nicht nur von äußeren Umständen abhängt, sondern auch davon, wie sie mit sich und ihren Gedanken umgehen. Daraus wächst unabhängig von Herkunft oder Voraussetzungen Selbstwirksamkeit.

Wissenschaftlich ist dieser Ansatz gut fundiert. Studien wie die SEYLE-Studie zeigen, dass Programme zur Förderung mentaler Gesundheit depressive Symptome deutlich reduzieren können. Auch Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie und Resilienzforschung bestätigen, dass sich Wohlbefinden, Motivation und Lernfähigkeit verbessern, wenn wir gezielt an diesen Kompetenzen arbeiten.

#schongenial: Wenn du nur einen Impuls mitgeben könntest: welcher wäre das?

Judith Guserl: Achten Sie bewusst darauf, wohin Sie Ihre Aufmerksamkeit lenken. Wenn wir beginnen, nicht nur Probleme zu sehen, sondern auch das, was gelingt, verändert sich unser Erleben. Nicht, weil sich alles im Außen verändert, sondern weil wir anders hinschauen. Und genau dieser Blick verändert oft mehr, als wir glauben.

#schongenial: Vielen Dank für das inspirierende Interview und alles Gute für eure Arbeit.

Schön, dass es so viel Positives gibt. Danke:
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