Buchner Maximiliane, Sparkasse OÖ
Foto: Buchner Maximiliane, Sparkasse OÖ
| Kulinarik & Kultur

Kunst und Finanzen: Kunstsammlung der Sparkasse OÖ im Fokus

Die Verbindung zwischen Kunst und einem Finanzinstitut mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, doch für die Sparkasse Oberösterreich ist sie eine langjährige Tradition. Seit ihrer Gründung im Jahr 1849 hat die Sparkasse Kunst gesammelt, anfangs aus repräsentativen Gründen, später jedoch aus einem tief verwurzelten Engagement für die Förderung von Kunst und Kultur. In folgendem Interview mit Dr. Maximiliane Buchner, zuständig für Sammlungsmanagement Kunst & historisches Archiv bei der Sparkasse OÖ, erfahren wir mehr über die Gründe hinter dieser Sammeltätigkeit, ihre Bedeutung innerhalb der Unternehmenskultur und die Auswahlkriterien für die Kunstwerke.

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schongenial: Warum hat sich die Bank entschieden, Kunst zu sammeln? Seit wann besteht die Kunstsammlung der Sparkasse OÖ?

Dr. Maximiliane Buchner: Die Sparkasse OÖ sammelt seit ihrer Gründung im Jahr 1849 Kunst – wenn auch in unterschiedlicher Intensität.Eines der ersten Bilder zeigt den noch jugendlichen Kaiser Franz Joseph II.  in kurzem Rock und weißen Beinkleidern, der die Sparkasse wenige Monate nach ihrer Gründung besuchte. Das große und bis heute bestehende Stammhaus der Sparkasse OÖ war schließlich auch der Anstoß, kontinuierlich Kunst zu sammeln: Die repräsentativen Räume wollten angemessen ausgestattet werden. Ein Beispiel dafür sind die großformatigen Gemälde im historischen Festsaal, die bis heute an ihren angestammten Plätzen hängen.

schongenial: Welche Rolle spielt Kunst innerhalb der Unternehmenskultur?

Dr. Maximiliane Buchner: Das Fördern von Kunst und Kultur ist in den Statuten der Sparkasse OÖ verankert und damit historisch von großer Bedeutung für das Unternehmen. In der Gegenwart tragen wir mit unseren wechselnden Themen-Ausstellungen aktiv zum Kunst- und Kulturgeschehen in Linz und OÖ bei und fördern auch hier ganz gezielt aufstrebende Talente. So haben wir in unserer Herbstausstellung 2023 anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Kunstuniversität Linz rund 50 Arbeiten von Studierenden, Absolvent:innen und Lehrenden gezeigt – und fast alle Werke schließlich für unsere Kunstsammlung angekauft.

schongenial: Welche Kriterien und Überlegungen beeinflussen die Auswahl der Kunstwerke für die Sammlung?
Dr. Maximiliane Buchner:
Drei Kriterien sind bei der Auswahl von Kunstwerken für unsere Sammlung maßgeblich:  Qualität, Qualität, Qualität, wie in jeder anderen Sammlung auch. Drüber hinaus legen und legten wir den Fokus auf Künstlerinnen und Künstler, die einen Bezug zu Oberösterreich haben, also dort leben und arbeiten, die an der Linzer Kunstuniversität  studiert haben oder die aus Oberösterreich stammen.

schongenial: Wie werden diese Künstler ausgewählt?

Dr. Maximiliane Buchner: Unsere Sammlungsstrategie verfolgt zwei Stoßrichtungen: Zum einen sammeln wir ein breites Spektrum an zeitgenössischen Positionen verschiedener Gattungen, also sowohl Malerei als auch Druckgrafik und Handzeichnungen sowie Skulpturen. In der zweiten Stoßrichtung bemühen wir uns um das Ergänzen von Sammlungslücken, wie zum Beispiel einen aussagekräftigen Querschnitt zum Oeuvre eine:r Künstler:in abzubilden.

schongenial: Gibt es eine Präferenz für etablierte Künstler oder wird auch jungen aufstrebenden Talenten eine Chance gegeben, in die Sammlung aufgenommen zu werden?

Dr. Maximiliane Buchner: Grundsätzlich ist das Qualitätskriterium ausschlaggebend, wie bereits erwähnt, bei etablierten Künstler:innen ebenso wie bei aufstrebenden Talenten. Und natürlich macht es besonders viel Freude, diese heranwachsenden Künstler:innen zu sammeln, ihre Entwicklung zu beobachten. Denn eines muss uns bewusst sein: Gute Kunst braucht einen Boden, auf dem sie wachsen kann, also Sammler:innen, die die Kunst kaufen und somit das Kunstschaffen einer Region fördern.

schongenial: Welche Ziele verfolgt die Bank mit ihrer Kunstsammlung, sowohl intern als auch extern?

Dr. Maximiliane Buchner: Mit unserer Kunstsammlung verfolgen wir ein primäres Ziel: Wir bringen die Kunst zu den Menschen. Dieses Motto verfolgen wir nach innen ebenso wie nach außen.

schongenial: Welche Schritte sind erforderlich, um Kunstbeauftragte bei der Bank zu werden, und welche Qualifikationen werden dafür benötigt?

Dr. Maximiliane Buchner: Zunächst sollte ich im Rahmen eines Pilotprojekts lediglich ein bestehendes Kunstlager sichten und inventarisieren. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass wir dabei über eine veritable Sammlung sprechen mit rund 1700 Werken der Malerei, der Grafik und der Bildhauerei. Und so kam ein Aufgabenfeld zum anderen. Heute bespiele ich in der Kunstsammlung der Sparkasse OÖ alle vier klassischen Säulen der Museumsarbeit: Sammeln, Forschen, Vermitteln und Bewahren.

schongenial: Welche Herausforderungen gibt es bei der Verwaltung und Pflege einer Kunstsammlung innerhalb eines Finanzinstituts?

Dr. Maximiliane Buchner: Grundsätzlich sind es die gleichen Herausforderungen wie bei jeder anderen Sammlung: Sie muss penibel gepflegt werden, das heißt, in adäquaten Räumen und in einem optimalen Klima aufbewahrt werden. Dann muss eine Sammlung gezeigt und kommuniziert werden, was wir in unseren verschiedenen Ausstellungsformaten sowie mit unseren Kunstkonzepten in den Filialen tun.

schongenial: Können Sie uns ein herausragendes Beispiel für eine Zusammenarbeit zwischen der Bank und einem Künstler oder einer Kunstorganisation nennen?

Dr. Maximiliane Buchner: Das schönste und zugleich jüngste Beispiel für eine herausragende Zusammenarbeit war die Ausstellung „Kunst in Stein, Kunst auf Papier“, die von Oktober 2023 bis Ende Februar 2024 in unserem Stammhaus zu sehen war. Wir hatten die große Freude, mit einer Vielzahl an angehenden Künstler:innen von der Kunstuniversität Linz zusammenzuarbeiten, die die Ausstellung mit Arbeiten aus den verschiedensten grafischen Bereichen beschickt haben. Die Kombination mit unseren eher klassisch geprägten Landschaftsstichen und Zeichnungen war wirklich großartig – und die Vernissage mit mehr als 70 Besucher:innen ein fulminanter Erfolg.

schongenial: Haben Sie persönliche Lieblingskünstler oder -werke in der Sammlung, und wenn ja, was macht sie besonders?

Dr. Maximiliane Buchner: Ja, natürlich mag ich manche Werke besonders gerne. In unserer Sammlung habe ich zwei Lieblingswerke:
Zum einen ein kleinformatiges Jugendstil-Porträt eines jungen Mädchens. Das Bild heißt „Frühling“ und ist von Johann Victor Krämer, einem Zeitgenossen Gustav Klimts.
Zum anderen mag ich besonders gerne unseren ersten Neuankauf nach mehr als 30 Jahren. Es ist ein großformatiges Bild von Klaus Ludwig Kerstinger und zeigt unter dem Titel „Gemeinsam“ eine faszinierende urbane Szene in unterschiedlichen Techniken und auf verschiedenen Ebenen. Klaus ist einer der interessantesten Künstler der Gegenwart, die in Oberösterreich tätig sind. Wir freuen uns sehr, dass wir mit ihm unsere Sammlungsgeschichte fortsetzen.

schongenial.at: Vielen Dank für das spannende Interview.

 

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