Wie wir mit roten Tomaten künftig grüner fliegen

Wissenschaft & Bildung
Flugtreibstoff, Tomatenresten, TU Graz
Extrahierte Tomatenreste im Schütteltrichter
Extrahierte Tomatenreste im Schütteltrichter. Fotocredit: TU Graz/Lunghammer

Der Luftverkehr zählt zu den größten Herausforderungen auf dem Weg zu mehr Klimaschutz. Während andere Verkehrssektoren bereits verstärkt auf Elektrifizierung setzen, sind Flugzeuge weiterhin auf flüssige Treibstoffe angewiesen. Genau hier setzt ein innovatives europäisches Forschungsprojekt an, das von der Technischen Universität Graz koordiniert wird. Ziel ist es, nachhaltigen Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten herzustellen und damit landwirtschaftliche Abfälle sinnvoll zu verwerten. Tomatenpflanzen liefern nach der Ernte große Mengen an Reststoffen wie Stängel, Blätter, Schalen, Samen oder nicht marktfähige Früchte. Bislang ein kaum genutztes Potenzial.

Durch die Umwandlung dieser Biomasse in sogenannten Sustainable Aviation Fuel soll ein wichtiger Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen im Flugverkehr geleistet werden. Gleichzeitig wird das Prinzip der Kreislaufwirtschaft gestärkt, indem Abfälle aus der Lebensmittelproduktion in einen hochwertigen Energieträger überführt werden.

Innovative Verfahren für die Treibstoffgewinnung

Im Zentrum des Projekts steht die Entwicklung effizienter und wirtschaftlicher Prozesse zur Aufbereitung der Tomatenreste. Dabei kommen zwei unterschiedliche Technologien zum Einsatz. Zum einen wird die Biomasse mittels Extrusion unter hohem Druck und erhöhter Temperatur aufgeschlossen, sodass ihre organischen Bestandteile leichter weiterverarbeitet werden können. Zum anderen wird die sogenannte hydrothermale Verflüssigung genutzt, bei der aus den Reststoffen Bioöl und Biokohle entstehen.

Aus den gewonnenen Zwischenprodukten werden anschließend Lipide und Bioöle isoliert und in weiteren Schritten zu einem flugtauglichen Treibstoff veredelt. Das Endprodukt soll den internationalen Standards für nachhaltigen Flugkraftstoff entsprechen und ohne technische Anpassungen in bestehenden Flugzeugtriebwerken eingesetzt werden können. Damit rückt eine praxisnahe Lösung für den klimafreundlicheren Luftverkehr in greifbare Nähe.

Europäische Zusammenarbeit mit Zukunftsperspektive

Das Projekt vereint Forschungseinrichtungen, Universitäten und Industriepartner aus mehreren europäischen Ländern. Neben der technischen Entwicklung werden auch ökologische und wirtschaftliche Aspekte untersucht, um die Umsetzbarkeit im industriellen Maßstab zu bewerten. Gleichzeitig spielt die Ausbildung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine wichtige Rolle.

#schongenial, dass so langfristig die Nutzung von Tomatenresten einen messbaren Beitrag zur Deckung des Bedarfs an nachhaltigem Flugtreibstoff leisten könnte. 

Dieser Beitrag fördert die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs): Schön, dass es so viel Positives gibt. Danke:
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