Manche Dinge werden erst sichtbar, wenn sie fehlen.
Das gilt für vieles, was unseren Alltag selbstverständlich macht: sauberes Trinkwasser, funktionierende Infrastruktur, medizinische Versorgung. Aber auch für Unternehmen und Initiativen, die Arbeitsplätze schaffen, junge Menschen ausbilden, Wissen vermitteln oder Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln.
Solange all das funktioniert, denken wir wenig darüber nach. Deshalb lohnt sich eine ungewöhnliche Frage: Was würde fehlen, wenn es sie nicht gäbe?
Wenn Kinder nicht mehr erleben, wo Lebensmittel herkommen
Was würde fehlen, wenn es Acker Österreich nicht gäbe? Dann gäbe es nicht nur weniger Schulgärten. Es gäbe weniger Kinder, die erleben, wie Lebensmittel entstehen, Verantwortung übernehmen und erfahren, was es bedeutet, mit den eigenen Händen etwas wachsen zu lassen. Acker vermittelt Wissen. Doch die Wirkung reicht weiter: Kinder erleben Selbstwirksamkeit und entwickeln einen anderen Zugang zu Ernährung und natürlichen Ressourcen. Aus einem Bildungsprogramm wird gesellschaftliche Wirkung.
Wenn wertvolle Ressourcen verloren gingen
Was würde fehlen, wenn es Binder+Co nicht gäbe? Auf den ersten Blick: Maschinen und Anlagen für die Aufbereitung von Rohstoffen und Wertstoffen. Doch moderne Technologien zum Sieben, Sortieren und Aufbereiten schaffen Voraussetzungen dafür, Rohstoffe effizienter zu nutzen und Wertstoffe wieder in den Kreislauf zurückzuführen. Dahinter stehen über Jahrzehnte aufgebautes Know-how, Arbeitsplätze, Ausbildung, Innovation und regionale Wertschöpfung.
Plötzlich geht es nicht mehr nur um Maschinenbau. Es geht auch darum, wie wir mit Ressourcen umgehen und welche technologischen Lösungen wir für die Zukunft entwickeln.
Wenn junge Menschen ohne gute Begleitung ins Berufsleben starten
Und was würde fehlen, wenn es Unternehmen wie Talents & Company nicht gäbe? Eine Lehrstelle allein macht noch keine gelungene Ausbildung. Junge Menschen brauchen Orientierung, Begleitung und Menschen, die sie unterstützen. Talents & Company zeigt, dass Ausbildung mehr sein kann als die Vermittlung beruflicher Fertigkeiten. Gute Begleitung stärkt junge Menschen, unterstützt Ausbildungsbetriebe und hilft, Fachkräfte langfristig zu entwickeln. Was zunächst wie ein HR-Thema aussieht, bekommt damit gesellschaftliche Bedeutung.
Vielleicht stellen wir zu selten die richtige Frage
Wir sind es gewohnt, Unternehmen und Organisationen danach zu beurteilen, was sie tun. Was produzieren sie? Welche Dienstleistungen bieten sie an? Wie viele Menschen beschäftigen oder erreichen sie? Das sind wichtige Fragen. Aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte. Vielleicht müssten wir häufiger fragen:
Was ermöglichen sie?
Aus einem Ausbildungsprogramm werden Chancen für junge Menschen. Aus einer Sortieranlage wird ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Aus einem Gemüseacker wird ein Lernort für Verantwortung. Die Leistung bleibt dieselbe. Aber ihre Bedeutung wird sichtbar.
Vom Tun zur Bedeutung
Gesellschaftliche Wirkung entsteht nicht dadurch, dass darüber gesprochen wird. Sie ist häufig längst vorhanden. Kommunikation kann sie aber sichtbar und verständlich machen.
Dabei geht es nicht darum, Unternehmen oder Initiativen nachträglich eine gesellschaftliche Geschichte zu geben. Es geht darum, die tatsächliche Wirkung zu erkennen und in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Viele Unternehmen investieren seit Jahren in Ausbildung, Gesundheit, Innovation, Nachhaltigkeit oder gesellschaftliches Engagement. Doch werden diese Leistungen auch als Gesamtbild betrachtet?
- Aus Leistung entsteht Wirkung.
- Aus Wirkung entsteht Bedeutung.
Und aus erkannter und strategisch genutzter Bedeutung kann Unternehmenswert entstehen.
Eine Frage, die jedes Unternehmen stellen kann. Vielleicht braucht es dafür zunächst keine neue Maßnahme. Vielleicht genügt eine andere Frage:
Was tun wir bereits – und was würde fehlen, wenn es uns nicht gäbe?
Die Antworten könnten überraschen. Denn manches, was innerhalb eines Unternehmens längst selbstverständlich geworden ist, hat für andere einen erheblichen Wert. Diesen Wert zu erkennen, sichtbar zu machen und bewusst zu nutzen, ist keine Frage der Selbstdarstellung.
Es ist eine Frage des Selbstverständnisses.
Über den Autor Dr. Alfred Fiedler
Dr. Alfred Fiedler ist Gründer von #schongenial und Entwickler des Konzepts des strategischen Unternehmenswerts.
Seit über 40 Jahren begleitet er Unternehmen in den Bereichen Markenführung und Unternehmensentwicklung. Aus dieser langjährigen Erfahrung entwickelte er das Konzept des strategischen Unternehmenswerts. Es entstand aus der Erkenntnis, dass Unternehmen über einen strategischen Unternehmenswert verfügen, der jedoch häufig unterschätzt und wirtschaftlich ungenutzt bleibt.
Mit seinen Gedanken und Veröffentlichungen lädt er zu einem Perspektivenwechsel ein. Er zeigt, wie Unternehmen den Wert und die Bedeutung ihrer bestehenden Leistungen erkennen, ihren strategischen Unternehmenswert erschließen und daraus wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Mehrwert schaffen können – zum Wohle aller.