Was wurde falsch gemacht? Wer trägt die Verantwortung? Was hätte man besser machen müssen?
Alles berechtigte Fragen. Schließlich wollen wir aus Fehlern lernen, um sie künftig zu vermeiden.
Aber warum stellen wir dieselbe Frage so selten, wenn etwas außergewöhnlich gut gelingt?
Wie konnte es passieren, dass so viele österreichische Unternehmen Weltmarktführer wurden?
Österreich verfügt über eine beeindruckende Zahl international erfolgreicher Unternehmen. In allen neun Bundesländern finden sich außergewöhnliche Erfolgsgeschichten.
Unterschiedliche Branchen, unterschiedliche Herausforderungen. Und doch haben sie eines gemeinsam: Mit Innovationskraft, Unternehmergeist, Mut und herausragenden Leistungen haben sie sich internationale Spitzenpositionen erarbeitet.
Wie konnte das passieren?
Was haben diese Unternehmen richtig gemacht? Welche Ideen und Entscheidungen waren ausschlaggebend? Was können andere daraus lernen?
Wir analysieren Fehler, um sie zu vermeiden. Warum nicht auch Erfolge, um sie zu wiederholen?
Was wir aus der Hirnforschung wissen
Die Neurowissenschaften zeigen, wie entscheidend Beobachtung, Nachahmung und soziale Erfahrungen für unser Lernen sind.
Vieles von dem, was wir heute können, haben wir uns von anderen abgeschaut. Als Kinder lernen wir durch Beobachten und Nachmachen. Später orientieren wir uns an Vorbildern, übernehmen erfolgreiche Verhaltensweisen und entwickeln sie weiter.
Wir lernen nicht nur aus eigenen Fehlern. Wir lernen auch aus dem, was anderen gelingt.
Warum nutzen wir diese Fähigkeit nicht viel bewusster?
Warum analysieren wir nicht systematisch, was erfolgreiche Unternehmen, Organisationen und Menschen richtig machen? Nicht um sie einfach zu kopieren, sondern um Erfolgsprinzipien zu erkennen und daraus eigene Lösungen zu entwickeln.
Erfolg entsteht nicht im luftleeren Raum
Unternehmerische Spitzenleistungen entstehen durch Ideen, Risikobereitschaft, Fleiß und konsequente Umsetzung. Doch auch die Voraussetzungen dafür verdienen Aufmerksamkeit.
Woher kommen die hervorragend ausgebildeten Mitarbeitenden? Welche Rolle spielen gute Schulen, die duale Ausbildung, engagierte Lehrende, leistungsfähige HTLs, Fachhochschulen und Universitäten?
Welche Bedeutung haben Forschung, Infrastruktur, Rechtssicherheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt?
Diese Fragen schmälern die unternehmerische Leistung nicht. Im Gegenteil.
Wer Erfolg hinterfragt, schmälert ihn nicht. Er macht seine Voraussetzungen sichtbar und seinen Wert bewusst.
Warum das Negative so viel Aufmerksamkeit bekommt
Unser Gehirn reagiert häufig stärker auf negative als auf positive Informationen. Die Psychologie spricht vom Negativity Bias. Gefahren zu erkennen und Fehler zu vermeiden, war für unsere Entwicklung überlebenswichtig.
Doch diese Neigung hat Folgen für unsere Wahrnehmung.
Was nicht funktioniert, wird kritisiert und analysiert. Was hervorragend funktioniert, nehmen wir häufig als selbstverständlich hin.
Erst wenn Fachkräfte fehlen, erkennen wir den Wert guter Ausbildung. Wenn Infrastruktur ausfällt, wird uns ihre Bedeutung bewusst.
Je selbstverständlicher etwas funktioniert, desto weniger beschäftigen wir uns mit seinem Wert.
Dabei könnten wir durch die bewusste Auseinandersetzung mit dem Gelingen nicht nur voneinander lernen, sondern auch Wertschätzung für jene Menschen und Leistungen entwickeln, die Erfolge ermöglichen.
Weniger Problembewunderung. Mehr Lösungsbegeisterung.
Vielleicht brauchen wir keinen weiteren Appell, positiver zu denken. Vielleicht sollten wir einfach beginnen, andere Fragen zu stellen.
Nicht nur: Warum ist etwas schiefgegangen?
Sondern ebenso: Warum ist etwas so außergewöhnlich gut gelungen?
Eine Gesellschaft, die nur ihre Probleme analysiert, erfährt viel über ihre Schwächen.
Eine Gesellschaft, die auch ihre Erfolge hinterfragt, erkennt ihre Stärken, ihre Potenziale und ihre Möglichkeiten.
Das schafft Zuversicht, fördert Innovationsbereitschaft und macht Lust auf Zukunft.
Und vielleicht entsteht eine bessere Stimmung nicht dadurch, dass wir sie immer wieder beschwören.
Sondern dadurch, dass wir uns bewusst machen, was alles gelingt – und warum.
Eine Frage zum Schluss
Wann wurde in Ihrem Unternehmen zuletzt nicht ein Problem, sondern ein außergewöhnlicher Erfolg systematisch hinterfragt?
Wie konnte das passieren?
Und was könnten andere daraus lernen?
Über den Autor Dr. Alfred Fiedler
Dr. Alfred Fiedler ist Gründer von #schongenial und Entwickler des Konzepts des strategischen Unternehmenswerts.
Seit über 40 Jahren begleitet er Unternehmen in den Bereichen Markenführung und Unternehmensentwicklung. Aus dieser langjährigen Erfahrung entwickelte er das Konzept des strategischen Unternehmenswerts. Es entstand aus der Erkenntnis, dass Unternehmen über einen strategischen Unternehmenswert verfügen, der jedoch häufig unterschätzt und wirtschaftlich ungenutzt bleibt.
Mit seinen Gedanken und Veröffentlichungen lädt er zu einem Perspektivenwechsel ein. Er zeigt, wie Unternehmen den Wert und die Bedeutung ihrer bestehenden Leistungen erkennen, ihren strategischen Unternehmenswert erschließen und daraus wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Mehrwert schaffen können – zum Wohle aller.