Versteckte Rohstoffe in unseren Häusern?

Wirtschaft & Infrastruktur
Urban Mining Screener, TU Graz, GitHub, Revitalyze, Recycling, Kreislaufwirtschaft
Stadtansicht
Die Dateien des Urban Mining Screener sind auf GitHub öffentlich zugänglich. © Lang.lebig Fotografie

Beton, Ziegel, Holz, Glas oder Metall: In unseren Städten sind enorme Mengen an wertvollen Materialien verbaut. Doch wie viel davon steckt eigentlich in einem bestimmten Gebäude? Und was könnte nach einem Umbau oder Abriss wiederverwendet werden? Eine Entwicklung der TU Graz liefert nun Antworten. Der „Urban Mining Screener“ macht sichtbar, welche Rohstoffe in bestehenden Gebäuden stecken, und eröffnet damit neue Möglichkeiten für Recycling und Kreislaufwirtschaft.

Unternehmenswert genial nutzen

Eine Adresse genügt

Entwickelt wurde das Tool vom Institut für Architekturtechnologie der TU Graz gemeinsam mit dem Projektpartner Revitalyze. Die Idee dahinter ist einfach: Nutzerinnen und Nutzer geben eine Adresse ein und erhalten eine Einschätzung, welche Materialien in diesem Gebäude stecken.

Dafür kombiniert das System öffentlich zugängliche Geodaten mit Informationen zu unterschiedlichen Gebäudetypen. Ein Algorithmus ermittelt unter anderem Grundfläche, Umfang und Höhe eines Gebäudes und ordnet es einem von 154 sogenannten Gebäude-Archetypen zu. Dabei werden beispielsweise Baujahr, typische Materialien und bereits erfolgte Umbauten berücksichtigt.

Aus alten Gebäuden werden Rohstoffquellen

Das kann besonders dann wichtig werden, wenn Gebäude saniert oder abgerissen werden. Denn viele der verbauten Materialien müssen nicht automatisch zu Abfall werden. Holzträger, Fenster oder andere Bauteile können möglicherweise erneut eingesetzt, mineralische Baustoffe recycelt werden.

Rückbauunternehmen könnten dadurch frühzeitig abschätzen, welche Materialien auf sie zukommen. Hersteller könnten besser planen, wie viel Recyclingmaterial künftig verfügbar sein wird. Und Städte und Gemeinden könnten einen Überblick darüber bekommen, welche Rohstoffe in ihrem Gebäudebestand schlummern.

Warum wir alle davon profitieren

Der gesellschaftliche Nutzen geht damit weit über die Baubranche hinaus. Wenn vorhandene Materialien länger genutzt und gezielter recycelt werden, müssen weniger neue Rohstoffe gewonnen und transportiert werden. Das kann Ressourcen schonen, Emissionen reduzieren und Abfall vermeiden. Gleichzeitig kann eine bessere Planung dazu beitragen, Kosten zu senken und regionale Kreisläufe zu stärken.

Noch ist das System nicht bei allen Materialien gleich genau. Besonders bei Kunststoffen oder komplexen Metallkonstruktionen gibt es Verbesserungsbedarf. Auf Stadt- oder Regionsebene könnte das Tool aber schon heute wertvolle Hinweise liefern und dabei helfen, zukünftige Baustoffströme vorherzusagen.

#schongenial, wenn unsere Gebäude damit nicht nur als Bauwerke betrachtet werden, sondern als wertvolle Rohstofflager für die Zukunft.

Dieser Beitrag fördert die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs): Schön, dass es so viel Positives gibt. Danke:
Zurück

Teile inspirierende Geschichten mit uns!

Wir schreiben gerne über engagierte Menschen, besondere Initiativen und soziale Aktivitäten aus deinem Umfeld! Stichworte und Kontaktdaten reichen. Wir kümmern uns um die redaktionelle Aufbereitung.

captcha