Das Unternehmen Binder+Co aus Gleisdorf liefert mit moderner Sortiertechnologie einen entscheidenden Baustein dafür und trägt dazu bei, Materialkreisläufe dort zu schließen, wo besonders große Mengen bewegt werden.
Die eigentliche Wirkung geht dabei über die Wiederverwertung einzelner Tonnen Material hinaus. Denn wenn Sekundärrohstoffe Primärmaterial in gleichbleibender Qualität ersetzen können, verändert sich der Umgang mit Ressourcen grundlegend: Wertschöpfung wird stärker vom Abbau neuer Rohstoffe entkoppelt und vorhandenes Material bleibt länger wirtschaftlich nutzbar. Gerade im rohstoffintensiven Bausektor liegt darin ein wichtiger Hebel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Wenn Kameras erkennen, was wiederverwertbar ist
Brechen, Sieben und Waschen sind im Baustoffrecycling längst etabliert. Doch um aus aufbereitetem Material wieder Sand und Kies in hoher Qualität zu gewinnen, braucht es einen weiteren Schritt: die präzise Sortierung.
Hier kommt die CLARITY-Technologie aus dem Hause Binder+Co zum Einsatz. Hochauflösende Kameras erkennen Farbunterschiede und Materialmerkmale. Unerwünschte Bestandteile wie Ziegelbruch oder andere Fremdstoffe können dadurch gezielt vom hochwertigen Kies getrennt werden.
Wie wirkungsvoll das funktioniert, zeigt die BRT Baustoff Recycling Thurgau AG in der Schweiz. Dort sind bereits mehrere Maschinen des steirischen Anlagenbauers im Einsatz, darunter zwei CLARITY-Sortieranlagen.
75 Prozent zurück in den Kreislauf
Bei BRT wird unter anderem Aushubmaterial verarbeitet, das chemisch belastet oder mit Bauschutt vermischt ist. Trotzdem können rund 75 Prozent des aufbereiteten Materials wieder als Sand und Kies in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden.
Nach dem Waschen, Brechen und Trennen nach Korngrößen übernehmen die Sortieranlagen den entscheidenden Qualitätsschritt. Der gewonnene Sand und Kies wird großteils direkt für die Betonproduktion im angrenzenden Betonwerk eingesetzt. Selbst aussortierter Ziegelbruch findet beispielsweise als Bestandteil von Dachsubstraten eine weitere Verwendung.
Entscheidend ist dabei nicht allein, dass weniger Material auf der Deponie landet. Aus einem linearen System – Rohstoff gewinnen, verbauen und schließlich entsorgen – entsteht schrittweise ein Kreislauf, in dem bereits vorhandenes Material erneut zur Ressource wird. Dadurch können Abbau, Aufbereitung und Transport von Primärrohstoffen dort vermieden werden, wo Recyclingmaterial gleichwertig eingesetzt werden kann. Gleichzeitig gewinnt die regionale Verfügbarkeit von Rohstoffen an Bedeutung: Was vor Ort zurückgewonnen wird, muss nicht an anderer Stelle neu gewonnen und über weite Strecken transportiert werden.
Für die Gesellschaft liegt darin auch eine Frage der Versorgungssicherheit. Sand und Kies sind grundlegende Materialien für Gebäude und Infrastruktur. Je besser es gelingt, einen Teil dieses Bedarfs aus bestehenden Materialströmen zu decken, desto weniger abhängig ist die Bauwirtschaft langfristig von der Verfügbarkeit neuer Lagerstätten. Baustoffrecycling wird damit nicht nur zu einer Umweltmaßnahme, sondern zu einem Baustein einer resilienteren Rohstoffversorgung.
Künstliche Intelligenz macht Sortierung noch genauer
Die Technologie wird laufend weiterentwickelt. Künstliche Intelligenz soll künftig dabei helfen, Materialien zu unterscheiden, die mit einer rein farbbasierten Erkennung nur schwer auseinanderzuhalten sind. So können beispielsweise schwarzer Kies, Asphalt und Schlacke noch gezielter getrennt werden.
Damit verschiebt sich zunehmend auch die Grenze dessen, was überhaupt als Abfall gilt. Je präziser unterschiedliche Materialien erkannt und voneinander getrennt werden können, desto größer wird jener Anteil, der wieder eine definierte Qualität erreicht und erneut eingesetzt werden kann.
#schongenial ist, wenn Technologie nicht nur Abfall reduziert, sondern verändert, woher unsere Rohstoffe kommen: Statt Materialien nach einmaliger Nutzung abzuschreiben, werden sie erneut Teil der Wertschöpfung.