Warum das Handwerk mehr denn je gebraucht wird

Wirtschaft & Infrastruktur
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Bäcker beim Teig kneten
Fotocredit: Crisp & Juicy

Das Handwerk ist ein zentraler Pfeiler der österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft. Es steht für Qualität, regionale Wertschöpfung und gelebte Tradition. Und gleichzeitig aber auch für Innovation und Zukunftsperspektiven. Gerade in einer Zeit, in der vieles digital und schnelllebig wird, wächst die Sehnsucht nach Beständigkeit, Individualität und echten Werten. Handwerkliche Betriebe verbinden genau das: Können, Erfahrung und Kreativität.

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Leo Jindrak sen.
Fotocredit: Sabine Starmayr

Einer, der diese Welt wie kaum ein anderer kennt, ist Leo Jindrak. Als Unternehmer führt er eine der bekanntesten Konditoreien des Landes – bekannt unter anderem für die Linzer Torte – und setzt sich gleichzeitig als Bundesinnungsmeister für die Zukunft des gesamten Lebensmittelhandwerks ein.

 

#schongenial: Welche Rolle spielt das Handwerk heute in Österreich?
Leo Jindrak: Das Handwerk ist für Österreich von enormer Bedeutung - wirtschaftlich, aber auch gesellschaftlich und kulturell. Es ist ein Bereich, der tief in den Regionen verwurzelt ist und dort Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten und Wertschöpfung schafft. Viele handwerkliche Betriebe sind Familienunternehmen, die über Generationen hinweg geführt werden und Verantwortung für ihre Mitarbeiter und ihre Umgebung übernehmen.

Darüber hinaus steht das Handwerk für Qualität und Verlässlichkeit. In einer Zeit, in der vieles standardisiert und global produziert wird, ist das ein wichtiger Gegenpol. Handwerk bedeutet, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen und dabei ein hohes Maß an Können und Erfahrung einzubringen. Genau das macht es so wertvoll für unsere Gesellschaft.

 

#schongenial: Warum ist es gerade heute so wichtig, handwerkliche Berufe zu stärken?
Leo Jindrak: Wir befinden uns in einer Phase des Wandels, in der viele traditionelle Strukturen hinterfragt werden. Gleichzeitig sehen wir aber, dass das Bedürfnis nach Qualität, Regionalität und Individualität wieder zunimmt. Handwerkliche Berufe erfüllen genau diese Anforderungen. Sie stehen für Produkte, die nicht austauschbar sind, sondern eine Geschichte haben.

Es geht aber auch darum, Wissen und Fähigkeiten zu erhalten. Handwerkliches Können wird oft über Jahre hinweg erlernt und weitergegeben. Wenn wir es nicht schaffen, junge Menschen dafür zu begeistern, verlieren wir einen wichtigen Teil unserer Kultur und unserer wirtschaftlichen Stärke. Deshalb ist es entscheidend, das Handwerk sichtbar zu machen und seine Chancen klar aufzuzeigen.

 

#schongenial: Sie führen selbst eine traditionsreiche Konditorei. Welche Bedeutung hat Tradition in Ihrem Betrieb?
Leo Jindrak: Tradition ist für uns die Grundlage unseres täglichen Arbeitens. Unsere Konditorei steht seit mittlerweile fünf Generationen für höchste Qualität und handwerkliches Können. Die Linzer Torte ist dabei ein ganz besonderes Symbol. Sie verbindet Geschichte, Regionalität und Genuss auf einzigartige Weise und ist weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt.

Gleichzeitig bedeutet Tradition für mich nicht, stehen zu bleiben. Wir entwickeln unsere Produkte weiter, greifen neue Trends auf und versuchen, klassische Rezepte zeitgemäß zu interpretieren. Diese Balance zwischen Bewahren und Weiterentwickeln ist entscheidend, um langfristig erfolgreich zu sein.

 

#schongenial: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für das Handwerk?
Leo Jindrak: Eine der größten Herausforderungen ist definitiv der Fachkräftemangel. Viele Betriebe suchen händeringend nach Nachwuchs, gleichzeitig wissen viele junge Menschen gar nicht, welche Möglichkeiten das Handwerk bietet. Hier braucht es mehr Aufklärung und auch mehr Wertschätzung.

Dazu kommen steigende Kosten, zunehmende Bürokratie und ein starker Wettbewerb, auch durch industrielle Anbieter. Das alles macht es vor allem für kleinere Betriebe nicht immer einfach. Umso wichtiger ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das Handwerk stärken und ihm ermöglichen, seine Stärken auszuspielen.

 

#schongenial: Welche Verantwortung tragen Sie als Bundesinnungsmeister für das Lebensmittelgewerbe?
Leo Jindrak: In dieser Funktion sehe ich mich als Stimme des gesamten Lebensmittelhandwerks. Es geht darum, die Interessen der Betriebe zu vertreten und dafür zu sorgen, dass sie unter fairen und guten Bedingungen arbeiten können. Es ist mir aber auch wichtig, den Austausch innerhalb der Branche zu fördern und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zukunftssicherung, also die Frage, wie wir das Handwerk für kommende Generationen attraktiv machen können. Das betrifft Ausbildung, Image, aber auch Innovation. Denn nur wenn wir uns weiterentwickeln, können wir langfristig erfolgreich bleiben.

 

#schongenial: Was macht das Handwerk für Sie persönlich so besonders?
Leo Jindrak: Für mich ist es vor allem die Sinnhaftigkeit der Arbeit. Man sieht am Ende des Tages, was man geschaffen hat: ein Produkt, das Menschen Freude bereitet und oft auch Teil besonderer Momente ist. Diese direkte Rückmeldung ist etwas, das man in vielen anderen Berufen so nicht erlebt.

Dazu kommt die Vielfalt: Kein Tag ist wie der andere, es gibt immer neue Herausforderungen und Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Und nicht zuletzt ist es die Verbindung von Tradition, Kreativität und Qualität, die das Handwerk für mich so besonders macht.

 

#schongenial: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für Ihre Aufgabe.

Dieser Beitrag fördert die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs): Schön, dass es so viel Positives gibt. Danke:
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