Ein perfektes Beispiel dafür ist die Brauerei Hofstetten im Mühlviertel. Ihre Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass Beständigkeit kein Zufall ist, sondern das Ergebnis von Verantwortung, Weitblick und Menschen, die bereit sind, ein Erbe weiterzutragen und gleichzeitig neu zu gestalten.
Vom Handelsweg zur Traditionsbrauerei
Die Wurzeln von Hofstetten reichen weit zurück. Bereits 1229 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Seine Lage war dabei alles andere als zufällig. Hofstetten befand sich an der damaligen Salzstraße, einer bedeutenden Handelsroute zwischen den wirtschaftlichen Zentren der Region. Salz war zu dieser Zeit eines der wertvollsten Handelsgüter überhaupt. Wer an dieser Route lebte und arbeitete, war Teil eines weitreichenden Netzwerks aus Händlern, Reisenden und Handwerkern.
Auch für das Brauwesen bot diese Lage ideale Voraussetzungen. Die Brauerei Hofstetten selbst wird erstmals 1449 urkundlich erwähnt und zählt damit zu den ältesten Brauereien Österreichs. Doch eine günstige Lage allein erklärt nicht, warum ein Betrieb über Jahrhunderte bestehen kann. Entscheidend sind die Menschen, die ihn führen.
Ein solcher Wendepunkt war das Jahr 1847. Damals übernahm die Familie Krammer die Brauerei. Seit diesem Zeitpunkt wird Hofstetten ohne Unterbrechung als Familienbetrieb geführt. Keine Eigentümerwechsel, keine Übernahmen durch internationale Konzerne, keine Abkehr von den eigenen Werten. Stattdessen wurde über Generationen hinweg Wissen weitergegeben, Erfahrung gesammelt und Verantwortung übernommen.
Die Handschrift von Peter Krammer
Ende der 1990er-Jahre trat mit Peter Krammer die fünfte Generation der Familie an die Spitze des Unternehmens. Er übernahm die Brauerei von seinem Vater Franz Krammer. Als ausgebildeter Braumeister brachte er nicht nur das handwerkliche Wissen mit, sondern auch die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
Schon zu einer Zeit, als in Österreich kaum jemand von Craft Beer sprach, experimentierte Peter Krammer mit außergewöhnlichen Bierstilen und neuen Rezepturen. Nicht, weil es ein Trend war, sondern weil ihn die Möglichkeiten des Brauens faszinierten. Seine Innovationsfreude basierte auf einem tiefen Verständnis für das Handwerk und auf der Überzeugung, dass Tradition und Weiterentwicklung kein Widerspruch sein müssen.
Bis heute prägt diese Haltung die Brauerei. Wachstum wird nicht über Größe definiert, sondern über Qualität, Ehrlichkeit und Mut zur Eigenständigkeit. Entscheidungen werden mit Bedacht getroffen und orientieren sich an langfristigen Zielen statt an kurzfristigen Erfolgen.
Eine große Familie mit enger Verbindung zur Region
Eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte war der konsequente Ausbau des Rampenverkaufs. Heute gelangen rund 40 Prozent des Biers direkt zu den Konsumentinnen und Konsumenten in der Region. Dadurch bleibt die Brauerei unabhängig von großen Handelskonzernen und nah an den Menschen, die ihre Produkte genießen.
Diese Nähe zeigt sich auch im Alltag des Betriebs. Hofstetten ist bis heute ein Familienunternehmen im besten Sinn des Wortes. Peter Krammer führt die Brauerei gemeinsam mit seiner Familie und einem Team von rund 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sein Bruder unterstützt als verlässlicher Allrounder den Betrieb, während seine Gattin Sabine Krammer mit ihrem Organisationstalent viele Abläufe im Hintergrund koordiniert. Die nächste Generation mit Jana und Erik wächst bereits mit der Brauerei auf und erlebt das Handwerk von klein auf. Gleichzeitig steht Seniorchefin Olga Krammer für jene Kontinuität, die Familienbetriebe über Jahrzehnte hinweg prägt.
#schongenial, denn Hofstetten ist weit mehr als eine Brauerei. Es ist ein Ort, an dem Tradition gelebt, Wissen weitergegeben und Verantwortung übernommen wird.